Alter Hut in neuer Farbe? Erste Eindrücke von iOS 7

Nachdem ich mir diesmal einen Betatest erspart hatte, habe ich gestern Abend pünktlich zum Release nach 45min Download- und 20min Wartezeit dann doch mein iPad 3 auf das neue iOS 7.0 aktualisiert. Im Folgenden meine ersten subjektiven Eindrücke, ohne näher auf die Technik einzugehen...

Updatevorgang:

Wie zu erwarten hat es etwas länger gedauert, nach 45min Download,  20min Warten, bis die „Überprüfung des Updates“ erfolgreich war und weiteren 20min Installation war es dann aber vollbracht. Zunächst mal aktivierte es die iCloud automatisch – zuvor abgeschaltet, da sie mit nur einem Apple Gerät und eigenem Groupware-Server nahezu 100% überflüssig ist.

Design:

Ich bin ein Freund von simplen Designs, aber genauso auch von kleinen Details. Letztere vermisse ich leider gänzlich. Die Icon-Größe wirkt auf dem iPad durch die Vereinfachung etwas klobig. Die Schriftgröße auf minimal heruntergeschraubt macht z.B. E-Mails leserlich, jedoch hat dies keine Auswirkungen auf Systemmenüs. Die fixe Leiste unten ist meiner Meinung nach auch einfach zu groß. Ich könnte jetzt noch länger Vor- und Nachteile aufzählen, aber kurz gesagt würde ich mir ein feineres Design, etwas kleinere Schrift und Icons sowie ein dezenteres Farbschema ohne Bonbon-Farben wünschen. Man fühlt sich ein wenig wie vor einem Designer-Kindercomputer, anstatt vor dem Bildschirm eines tausend Euro teuren Tablets.
Der Sperrbildschirm mit meinem schwarzweißen Hintergrundbild und die transparente Kopfleiste überzeugen mich allerdings.

Features:

Hier schafft es Apple einmal wieder dem Anwender altes in neuer Verpackung als völlige Weltneuheit und Innovation zu verkaufen.

Beim Kontrollzentrum ist die einzige Neuerung die Anzeige der Verbindungs-Buttons. Alles Weitere gab es bereits  zuvor, nur kam man etwas anders dran. So gesehen ist es meiner Meinung nach keine große Aufregung wert.

Multitasking ist ebenfalls nicht neu. Einzige Neuerung sind die eingeblendeten Screenshots der inaktiven Apps. Es ist kein Livebild, sondern ganz simpel der letzte Zustand vor dem Schließen. Gut, in den meisten Fällen reicht das sicher aus,  aber eine Innovation ist es nun auch nicht.

Die Kamera ist für mich eine absolut drittrangige Funktion, die ich am iPad so gut wie  nie nutze (ebenso wie die am Telefon, meist nur um mal eben einen Schriftzug o.Ä. abzulichten). Die Qualität ist nicht besser geworden, Filter sind eine schöne Spielerei, aber – mit welcher Begründung auch immer – auf dem iPad sowieso nicht verfügbar. Und muss man Fotos im Quadrat wirklich als Neuerung anpreisen? Ehrlich Apple, ist euch nichts besseres für die Werbekampagne eingefallen?

Die Anzeige der Fotos ist nicht wirklich schöner geworden. Die Zeitleiste ist nett, aber mit mehreren tausend synchronisierten Bildern hoffnungslos unübersichtlich. Abgesehen davon fing mein Mac nach dem Update erst einmal an, eine halbe Stunde lang alle Fotos neu zu synchronisieren – man hat ja sonst nichts zu tun.

Siri hat eine neue Stimme bekommen, juhu. Der Klang ist nicht wesentlich besser, dafür ist die Beantwortung der Fragen spürbar langsamer geworden. Naja, einen wirklichen Nutzen habe ich in der Funktion bis heute nicht gefunden.

AirDrop ist mal wieder ein Paradebeispiel für willkürliche Restriktion auf neue Geräte. OK, das das iPad 4 kurz nach dem 3. erschien war durch die Angleichung an das iPhone 5 noch akzeptabel, für diese neue Einschränkung sehe ich allerdings keinen wirklichen Grund. Ist mit nur einem regelmäßig genutzten Produkt mit Apple Software (dem iPad) für mich aber auch weniger tragisch.

Das Backend:

Es gibt natürlich eine Reihe technischer Neuerungen im Kern des Systems. Soweit so gut, aus der Sicht des Anwenders macht es keinen großen Unterschied. Die Entwicklung und das Testen eigener Apps ist weiterhin nur zahlenden Entwicklern vorbehalten, die Schnittstellen nach außen, insbesondere Bluetooth, sind immernoch auf wenige lizenzierte Funktionen beschränkt und die Performance ist zumindest nicht besser geworden.

Mein vorläufiges Fazit:

Apple hat mal wieder das Rad neu erfunden, zumindest wird es so angepriesen. Auf den ersten Blick ist die einzige wirkliche Neuerung das Design, die übrigen Features hätte man genauso gut in ein kleines Update packen können. Im Endeffekt hat mich nicht ein Punkt auf der Liste wirklich vom Hocker gerissen.
Ich werde wohl nicht gleich wieder downgraden, da man früher oder später wohl an den Punkt kommt, wo das ein oder andere mit iOS 6 nicht mehr kompatibel ist, iOS 7 wäre aber bei einer eventuellen Neuanschaffung definitiv kein überzeugendes Argument, zu Apple zu greifen.

--

Kategorien: Apple, Computer & Technik, Testberichte
Tags: Apple, iOS

0 Kommentar(e):

    Hinterlasse eine Antwort

    * (optional)

    * Die E-Mail Adresse wird nicht öffentlich angezeigt und zu keiner Zeit an Dritte weitergegeben oder zu Werbezwecken missbraucht