Senseo Control 2.0

Ich mag meine alte Senseo (HD7822), allerdings vermisse ich Funktionen, so z.B. das Anpassen der Tassengröße. Es gibt eine Baureihe, in der ein Poti an der Unterseite vorhanden ist, aber ehrlich gesagt stelle ich mir auch das für einen kurzen Espresso nach dem Essen etwas unpraktisch vor, selbst wenn man das Poti an die Seite verlegen würde. Vorhandene Platine neu programmieren kommt auch eher nicht in Frage. Also googlen...

Ich stieß auf ein etwas älteres Projekt von Paul Wilhelm (↑Kaffeecontroller), das zwar eine andere Absicht verfolgte, nämlich das reine „Vormerken“ eines Kaffeewunsches, aber die Grundidee ist ja durchaus brauchbar.

Hardware

Die vorgestellte Schaltung ist eine Kombination aus Standardschaltungen, nichts aufregendes. Ein paar kleinere Anpassungen habe ich wohl vorgenommen, aber das Prinzip ist gleich geblieben.

Im Original erfolgt die Spannungsversorgung kapazitiv, ich habe mich hier ebenfalls für einen kleinen Trafo entschieden. Entsprechend die isolierten Triac-Treiber (MOC30xx). So könnte man auch im Betrieb relativ gefahrlos mit dem Programmiergerät dran.

Herz der Sache ist ein ATtiny26 Mikrocontroller mit internem 8MHz Oszillator. Die rote LED wurde durch eine 3-Farb-LED ersetzt, um die Anzeigemöglichkeiten zu erweitern.

Der Aufbau erfolgte auch bei mir auf Lochraster. Lochraster-kompatibles Layout hatte ich zwar angefertigt, aber hätte ich die Platine erst geätzt, gebohrt, lackiert, etc. hätte ich wohl zu schnell die Lust am Projekt verloren. Ergebnis sieht ja noch recht akzeptabel aus.

Ich habe die Leitungen aus der Original-Platine ausgelötet und ohne Kürzung in Klemmen befestigt. Die Stecker für NTC und Hallsensor kann man einfach umstecken, wenn man die passenden Buchsen verwendet. Ein Rückbau wäre also problemlos möglich.

Software

Hier weiche ich deutlich stärker von der Vorlage ab. Im angebotenen Quellcode sind ein paar funktionale Fehler, abgesehen davon fehlt die Hälfte der Grundfunktionen:

  • Der Pumpvorgang soll unterbrochen werden, wenn das Wasser leer ist, der Wasserstand wird in der Schleife aber nicht aktualisiert. Das Kriterium bleibt also ohne Funktion
  • AutoOff ist nicht implementiert, auch wenn über den globalen Counter sehr leicht zu realisieren
  • Spül-Funktion fehlt (ich möchte zum Entkalken ja nicht 10 einzelne Tassen ziehen)

Meine Funktionen

  • beide Tasten gleichzeitig drücken: Spülen, bis Tank leer
  • Tasten drücken: 1/2 Tassen Kaffee
  • Tasten 2s lang drücken: 1/2 Tassen Espresso mit Vorbrühfunktion
  • Power-Taste: zu jeder Zeit abschalten

Meine LED-Anzeigen

  • blau blinken: Wasser füllen
  • blau leuchten: Gerät spült
  • rot blinken: Gerät heizt
  • grün leuchten: Kaffee bereit
  • grün blinken: Kaffee läuft
  • orange (rot/grün) blinken: Espresso läuft

Die Zeiten für die jeweiligen Tassen sind nach gemessenen Werten ermittelt, bei denen meine Tassen annehmbar voll und mit den von mir verwendeten Pads geschmacklich in Ordnung ist. Der Lesbarkeit halber oben im Quellcode anpassbar.

Schlussworte

Zum Zeitpunkt dieses Artikels ist der oben dargestellte Umbau bereits seit über einem Jahr im täglichen Einsatz und hat mich bislang nie im Stich gelassen. Daher habe ich entschieden, das ganze guten Gewissens veröffentlichen zu können.

Die Kühlkörper im Bild sind 1,5mm Alubleche und grenzwertig dimensioniert. Nach 1-2 Tassen wird eine Temperatur von ca. 70°C erreicht, aber selbst im Spülvorgang nicht überschritten. Im Zweifel lieber etwas mehr.

Sicherheitshinweise

Die Triacs und die damit verbundenen Kühlkörper liegen auf 230V~ Netzspannung! Das ist soweit erstmal nicht unüblich und auch im Original nicht anders gelöst.

Arbeiten am Gerät sind grundsätzlich nur Elektrofachkräften gestattet. Wer es trotzdem versuchen möchte, handelt auf eigene Gefahr!

Erster Test am besten mit kleinerer Spannung (µC lässt sich über den Programmierer speisen, Triacs arbeiten auch mit z.B. 12V~). Beim letzten Test ist ein Trenntrafo oder zumindest FI-Schutzschalter unbedingt anzuraten.

Download

Hier gibt es das gesamte Projekt mit Schaltung, Quelltext und Hexfile: ↑SenseoControl2.0.zip

--

Kategorien: Elektronik, Projekte
Tags: Elektronik, Mikrocontroller, Mod, Senseo

2 Kommentar(e):

  • Holger Szameit schrieb am 28.06.2015 um 17:06 Uhr:
    Hallo, ich interessiere mich für Ihren nachbau, und wollte fragen ob das Speichern des Kaffeewunsches auch in Ihrem Programm mit eingebaut ist. So wie es in der Grundidee war? danke 2
  • Stefan Kalscheuer schrieb am 28.06.2015 um 21:31 Uhr:
    Nein, in der aktuellen Fassung ist keine Speicherfunktion mehr enthalten (hatte ich nicht benötigt). Speicher ist aber noch frei.
    Ich habe hier eine entsprechende Ergänzung gemacht, allerdings ungetestet!
      ↑SenseoControl2.0_speicher.zip

Hinterlasse eine Antwort

* (optional) (optional)

* Die E-Mail Adresse wird nicht öffentlich angezeigt und zu keiner Zeit an Dritte weitergegeben oder zu Werbezwecken missbraucht